Unbewusste Skripte - und was wir mit ihnen machen                                       - Gedicht - 5 -
          1. Sei der Beste. Sei vollkommen. Mach keine Fehler.
          2. Sei stark. Zeig keine Gefühle. Zeig keine Schwäche.
          3. Sei der Schnellste. Sei der Erste. Funktioniere.
          4. Sei immer da für andere. Bekämpfe dein Ich.
Halte durch.
          5. Streng dich immer an. Erstrebe das Unerreichbare. Sei nie zufrieden. Mehr ist Mehr. 

     Die Transaktionsanalyse nennt diese 5 Antreiber unserer Kulur das 'Mini-Skript'. Uns umgeben auf Sockel erhobene Autoritäten mit Forderungen. Sie kommen von Erziehern, Religion, Tradition, Militär, Eltern, Schule, Universität, Wirtschaft, Sport und Medien. Sie schreiben vor, wie wir sein sollen. Sie nennen uns 'richtig oder falsch', ''gut oder schlecht'. Wir sollen uns fügen. Sie säen Minderwertigkeit. Statt Folgsamkeit meldet sich bei Vielen das 'Anti-Skript', und das sagt: "Wehr' dich." Es rebelliert gegen Unfreiheit. Es fordert : "Sei dagegen. Mach' genau das Gegenteil." Mit Protesten bleiben wir den Forderungen des Mini-Skripts ausgeliefert.

     Wie befreien wir uns aus Mini- und Anti-Skrpt? Wir lassen die Autoritäten, wo sie sind. Wir nehmen stattdessen Eigenes in den Blick. Wir entscheiden uns für eine Orientierung in Einklang mit uns und geben uns Erlaubnisse. Erlaubnisse und Ermutigungen, die wir vielleicht nie emfangen haben, öffnen Talente und Kräfte. Abseits von Gehorsam, falscher Treue und Fremdbestimmung weisen sie einen dritten Weg: Wir fragen: Was ist mein bestes, tiefstes Selbst? Wenn Eltern oder Gesellschaft keine Erlaubnisse gaben, geben wir sie uns jetzt selber. Wir besuchen die tiefste Tiefe unseres Wesens, geben uns Erlaubnisse und hören auf sie.

Wir verlassen schwere Skripte. Wir begrüßen Erlaubnisse, Erleichterung und Wachheit.
          1. Ich bin da. Ich bin gut, einfach so. Ich achte mich. Ich bin ein interessanter, liebenswerter Mensch und offen für alles Gute.
          2. Ich fühle meine Freude am Leben. Ich traue meinen Gefühlen, Interessen, Talenten, Stärken und zeige sie. Sie wecken Sympathie.
          3. Ich lerne schnell und grenzenlos. Ich habe meine Maß und Grenzen. Aus Fehlern lerne ich.
          4. Ich bin gerne da: für mich, für dich, Andere und Anderes. Ich achte dich und alles. Ich bin ein guter Freund und gerne Helfer.
          5. Ich erlaube mir, mir Ziele zu haben, und sie zu definieren, Termine ohne Aufschieben und Verzögern zu setzen und Gelingen und gute Ergebnisse zu erreichen.
                       Ich erreiche sie mit gutem Einsatz meiner Kraft, leicht und locker, und genieße schrittweises Ankommen und die Erleichterung. Ich probiere alle meine Erlaubnisse, prüfe ihre Wirkung und behalte von ihnen, was gut ist.

            
     Neben den gesellschaftlichen Mini-Skripten bewegt uns ein unbewusstes Lebens-Skript. Für manche Menschen ist dies ein Überlebens-Skript der Kindheit. Es formte sich aus den Erfahrungen unserer Lebensgeschichte - besonders von denen der ersten 6 Lebensjahre. Das freundliche Willkommen unserer Eltern, ihr Glücklichsein und ihre Erfolge haben Gewicht. Ihre Anerkennung und ihr Lob, wenn wir sie bekamen, halfen zur eigenen Wertschätzung und zum Lebensglück. Uns prägten auch Todeserfahrungen, Erniedrigungen, Züchtigungen, Gehorsamserziehung, Teilnahmslosigkeit, Verluste, Mangel, Verrücktheiten, Süchte und tragische Familien-Ereignisse. Die Art unserer Schmerzabwehr prägt uns und ebenso die Solidarität mit den Schicksalen unserer Eltern, Familie und Volkr. In der Regel sind wir treue, folgsame Kinder. Doch auch hier meldet sich oft eine aufmüpfige Auflehnung, die sagt: "Ich mache es anders. Ich werde es euch zeigen."

      Was tun wir angesichts eines Geschicks, das uns durch Gene, Verbundenheit, Treue oder Protest auferlegt wurde? Haben wir unsere Liebe, Talente und Schmerzen unterdrückt? Auch wenn Wunden heilten, bleiben Narben. Das Universum mutet uns und allen Lebewesen Bedrohungen und Chancen zu. Es scheint zu sagen: "Mach' was aus deinen guten Kräften." Während unseres Erwachsen-Seins starten wir in ein waches Leben. Doch manche hüten die gemachten Erfahrungen und bleiben Kinder in den Gefühlen von früher. - Freiheit, Wachheit und Glück beginnt, indem wir alles Gute und Schmerzliche ohne Minderung, Beschönigung oder Dramatisierung würdigen. Alle Menschen haben Glück und Schmerz. Wir alle sind zum Leben Gerettete. Das Gute war größer. Sonst wären wir nicht am Leben. Wir Lebende haben Grund zu danken. Leben ist keine Bühne. Leben ist nicht Kampf oder Drama. Diese sind Ausnahmen in Notsituationen, die es immer wieder gibt. Leben ist Wachsen in den Abenteuern zum Frieden: Wir sind auf der Wanderung in ein bewusstes, tapferes Leben. Eine gute Basis sind unsere Erlaubnisse. "Ich gebe mir Erlaubnis, die Freude am Leben zu erkennen und zu fühlen. Ich erlaube mir, mich zu zeigen und zu danken. " Wir schöpfen aus wundersamer Quelle: "Ihr, Liebe, Freude, Schmerz und Mut, bewegt mich. Ihr gebt Einklang mit einem geheimnisvollen Großen, das ich achte."

Unsere Lebensquelle gibt Freiheit und Erlaubnisse.
Ich gebe mir Erlaubnis, mich mit euch, meinen Vorfahren, euren Fehlern, Schmerzen und Grenzen,
zu versöhnen.
Ich gebe mir Erlaubnis, ohne Herabsetzung und Widerstreit zu leben. Ich suche mein und euer Gutes..
Ich gebe mir Erlaubnis zu meiner Herkunft zu stehen, zu meinen Schwächen und meiner Schuld.
Ich gebe mir Erlaubnis, mein bestes, tiefstes Selbst zu fühlen und mein Handeln danach auszurichten.

Ich gebe mir Erlaubnis, mich auf Liebe, Verbundensein und gute Ziele einzulassen - heute, jetzt.
Ich gebe mir Erlaubnis, meine Zeit zu nutzen und darf meiden, was dem Leben schadet.
Ich gebe mir Erlaubnis, dem Leben zu trauen. Ich finde gute Menschen und mit ihnen Glück und Gelingen.

Ich gebe mir Erlaubnis, das zu verlassen, was nicht gelingen kann oder beschädigt.

Ich gebe mir Erlaubnis, alle Chancen zum Gelingen zu ergreifen - ohne Widerspruch, Zögern und Warten.
Ich gebe mir Erlaubnis, Spiele voller Opfer und Beschädigungen zu verlassen
.
Ich gebe mir Erlaubnis, mich auf Liebe, Humor, Ernst und Gelingen mit frischem Mut und Tun einzulassen.
Zum Glück darf ich alles auch anders machen, als ich es hier geschrieben habe.

Groucho Marx, ein amerikanischer Spaßmacher, sagte: "Dies sind meine Prinzipien, wenn ich welche habe.
                                                                        Wenn sie dir nicht gefallen, ich habe auch andere."

Wohin weiter? Die drei 'W'...
Wohin werden mich meine wunderschönen Erlaubnissätze über Freiheit, Schönheit und Freude auf meiner Wanderung durch das Menschsein führen? Unerwartet nach mehreren Jahren versperrt mir heute ein mächtiges Tor den Weg. Ich wollte den 'Garten Erde', seine Freude und Schönheit, immer weiter erkunden. Nun bin ich eine Weile an vielen Musikkapellen und Wachtposten vorbei gekommen. Verführerische Angebote, falsche Verbote und törichte Ziele habe ich zurück gelassen. In unendlicher Freiheit bin ich durch abenteuerliche Landschaften gewandert. Aus heiterem Himmel komme nun an ein Tor, hinter dem auch Leid und Verlust warten. Es fordert auf: "ENTDECKE DAS WAHRE; WESENTLICHE UND WICHTIGE.."

Huch, das ist eine Überraschung. Sagt es mir unvermutet: 'Reduziere dich.' Konzentriere dich'? 'Nimm ein Teil der Fülle, die du erhalten hast, als hättest du das Ganze'?

Was ist das WAHRE? Das Gegenteil von Unwahrem. Also nimm,. was wirklich ist und zum Guten wirkt.
Was ist das WESENTLICHE? Das Gegenteil vom Unwesentlichem. Also nimm, was aus dem Wesen, aus dem gewesenen Guten kommt.
Was ist das WICHTIGE? Das Gegenteil von Unwichtigem. Also nimm, was mit Gewicht gute Bedeutung für die Zukunft hat. - Das alles hört sich einfach und schön an. Ist das nicht selbstverständlich?
Nein, alles sind Geschenke eines großen Wunders. Nichts ist selbstverständlich. Ich will es prüfen, soweit ich kann. Das große 'Abenteuer Menschenleben', kann noch eine Weile weiter gehen.

So erlaube ich mir als Erlaubnis 6 oder 7, an jedem neuen Morgen meiner Wanderung das Wahre, Wesentliche und Wichtige zu erkunden, es zu prüfen und in den begrenzten Teil meines Findens hineinzunehmen. Ich erlaube mir, meinen kleinen Teil, den ich davon nehme, als wunderlich Ganzes und Großes würdigen.

© Meditation 5 - ERLAUBNISSE, www.bieback.de - 2.2.2020

06 ATEMLOS durch die Nacht