Nordseestrand in Abendsonne     Meditation - 2 -

    Dasein und Antwort  
       Wenn es diese Wunderwelt wirklich gibt, sind alle Dinge und Ereignisse Teile ihres Wirkens. Ihre Energien
entwickeln alles, nähren alles, bleiben eine Weile und wandeln alles. Unser Geist schaut Atome, Moleküle und Galaxien.
Das All in uns erschafft winzige und gigantische Strukturen. Wir zählen und erkunden
Formen, Gestalten und Kräfte.
Wir blicken in Abgründe von Zeit und Raum.
Wir erkennen stabile und schwankende Gleichgewichte. Ist unser Leben
hochstrukturierte Materie nach den Gesetzen der Chemie? Gewiss, doch wir
stürzen in Angst, wenn wir Menschen,
die wir lieben, verlieren. Sind wir Materie, der Glück, Gleichgewicht oder Betrübnis gleichgültig ist?
Ist in Materie
Geist? Haben Tiere und Pflanzen Geist und Gefühle?. - Lebensimpulse durchfluten uns. Im Gehirn formen sich
Balancen für Körpersteuerung, Verbundensein, Denken und Erklärungen.
Wir staunen über Fülle und Weite.

       Wenn es uns wirklich gibt, wer oder was sind wir? Die großen Dinge unseres Lebens sind ohne unser Zutun
gegeben: Zeit, Ort, Eltern, Gene, Geburt, Angehörige, Männlichsein, Weiblichsein, Kultur, Gesundheit und unsere
Geschichte. Sie machen uns zu Personen. Wir sind Energie-geladene, zähe Wesen. Zugleich sind wir bedürftig,
schmerzempfindlich
und verletzlich. Alle Teile unseres körperlichen, seelischen, geistigen Lebens sind Persönlichkeiten.
Sie wohnen in der Gesamtperson und fordern Beachtung. Jede Einzelpersönlichkeit mit ihren Bedürftigkeiten,
Vorlieben und Verletzlichkeiten sagt 'Ich'
. Das klingt nach Problemen. Wie einigen sie sich zur Gesamtperson?

        Wenn es uns wirklich gibt, welches Glück und welchen Schmerz erleben unsere Teilpersönlichkeiten? Jede will
Nehmen und Geben. Körperliche Bedürfnisse, Verletzungen und Energien melden sich vorrangig.
Wenn die existentiellen
Grundbedürfnisse gestillt sind, tretem die anderen hervor. Auch sie wollen der Gesamtperson dienen. Wenn der fließende
Austausch unter einander gestört wird, verwandeln die ursprünglichen Energien ihre Gestalt. Sie werden zu Stress, Sorgen,
Angst, Wut, Trauer, Aggressionen oder Krankheiten. Sie rufen: "Kümmere dich um mich. Gib mir. Nimm von mir.
" In uns wohnt
auch eine kindliche Persönlichkeit. Sie melder sich mit ihren Erfahrungen mit Glück und Schmerz und fordert Beachtung.

       Dass es uns wirklich gibt, merken wir an unserem 'Ja'. Dieses quillt aus dem 'existentiellen Ja' bei der Vereinigung
der beiden Zellen von Mutter und Vater, die Verbundensein suchen. Es quillt aus der
ununterbrochen Lebenskette der
Körperzellen seit 4 Milliarden Jahren.
Das 'Ja' zum Leben mit seiner Entfaltung pulste beim Einnisten in den Leib unserer
Mutter. Ihr Körper stimmte unseren Lebensbewegungen zu.
Die Zellen unseres Körpers wussten, wie sie funktionieren. So
entfaltete sich das Ja unserer Kinderpersönlichkeit als liebendes "Ja. Ich bin da und will dein Kind sein", als bittendes "Ja,
sei da für mich"
, als weinendes "Ja, es tut weh", als empörtes "Ja, so nicht", als resigniertes "Ja, ich füge mich", als leicht-
fertiges "Ja, ok" oder
als spannungsgeladenes "Ja, aber"'. Als Erwachsene sagen wir das "Ja, ich bin Mann/Frau" und
"Schön, dass du da bist". Wir öffnen uns für die fließende, schenkende Bewegung und das Gleichgewicht zwischen unseren
Persönlichkeiten. Es geht um Austausch und Balance. Was aber machen wir mit den 'Neins' in uns und um uns?

       Mit unseren unbewussten und bewussten 'Jas' sind wir in einem geistigen Raum. Doch wir folgen nicht mehr
blind unbewussten Antrieben, aus denen wir uns seit Kindheitstagen glücklich oder unglücklich entfalteten. Wir folgen nicht
blind Sichtweisen aus Erziehungen oder Traditionen. Wir schreien nicht blind "Nein"
mit dem Jubel einer Masse. Umsichtig
schauen wir Gegenwart, Welt und Wahrheit und prüfen sie. Wir sehen die Welt und geben ihr 'Ansehen'. Wir anerkennen unser
Nichtwissen und die Welt als Geheimnis. Als Gerettete verringern wir Schädigungen und suchen dem Leben gut zu tun.

    Besuch im Garten - Ich stimme zu.   Merkwürdiges geschieht, wenn wir sagen: "Ja, du,Welt; bist gut." oder: "Nein, die Welt müsste anders sein, und wir müssten andere sein." 'Neins' kommen oft aus schmerzlichen Erfahrungen, Zauberwünschen oder Zugehörigkeiten. Zustimmung oder Ablehnung verändern unsere gefühlte Gegenwart. Was bewegt uns in einem Raum von 'Ja' oder von 'Nein'? Wohin gehen wir mit einem 'Ja', wohin mit einem 'Nein'?
     Meditation 2 © by Klaus Bieback, 28.3.2019 - www.bieback.de

    Ein Märchen aus alten Tagen erzählt eine tiefsinnige Geschichte.
      Ein armes Mädchen saß an einer Straße am Rand eines Brunnens. Für seine unglückliche Mutter, die Witwe geworden war, musste es arbeiten und aus Wolle Garn spinnen. Die Spule fiel ihm in den Brunnen. Das Mädchen lief zur Mutter und erzählte ihr sein Unglück. Die Mutter schimpfte. Sie schickte es zum Brunnen, sie herauszuholen. In seiner Angst sprang es in den Brunnen und verlor die Besinnung. Als es auf seinem Grunde wieder zu sich kam, war es auf einer Wiese mit tausend Blumen. Die Sonne schien. Es wanderte durch eine bunte Welt und kam zu einem Backofen. Aus dem Teig waren fertig gebackene Brote geworden. Diese riefen: "Zieh uns heraus, sonst verbrennen wir." Es zog sie mit dem Brotschieber heraus. Als es weiterging, kam es zu einem Baum voll reifer Äpfel. Der Baum rief: "Ach, schüttel mich. Meine Äpfel sind alle reif." Das Mädchen schüttelte den Baum. Die Äpfel fielen, als regneten sie. Als es alle zusammengelegt hatte, ging es weiter. Endlich kam es zu einem kleinen Haus. Aus ihm schaute eine uralte Frau heraus. Weil sie so große Zähne hatte, bekam das Mädchen Angst und wollte weglaufen. Die Frau rief ihm nach: "Was fürchtest du dich, liebes Kind. Wenn du alle Arbeit ordentlich machst, soll es dir gut gehen. Ich bin die Große Mutter. Ich heiße Frau Holle." Das Mädchen fasste sich ein Herz. Es stimmte zu. Es blieb bei tüchtiger Arbeit und gutem Essen. Wenn es die vielen Betten machte, schneite es auf der Welt. Doch nach etlicher Zeit wurde es traurig. Es bekam Heimweh nach Mutter und Schwester. Da führte Frau Holle es an der Hand zu einem großen Tor und entließ
es mit Gefallen an seiner Verbundenheit. Unter dem Tor wurde es mit einem Regen aus Gold überschüttet und bekam die Spule wieder. Es wanderte zu dem Haus seiner glücklich-unglücklichen Kindheit. Der Hahn am Brunnen erkannte sie als erster. Er schrie: "Kikeriki. Unsere goldene, junge Frau ist hie."

 

 

       Osterfreude - eine Woche vor Ostern am 17.4.2011
Beim Brummen des Rasierers vor dem Spiegel
rauschen Worte in mein Ohr. Von dort
rutschen sie in winzige Zellen hinter der Stirn,
wo Neuronen Sinn und Wirkung erkunden.

Ein innerer Prüfer meldet sich und fragt: "Was sagt denn der da im Radio? Sonst höre ich von
Atomverseuchung
in Fukuschima, von nicht-gelingender Demokratisierung in Nordafrika, Müllvergiftung
in den Meeren und Energiegewinnung
mit zu viel CO2 aus Millionen Jahre alten Resourcen." Jeden Morgen
unken und funken Unheilspropheten die neuesten Katastrophen und Weltuntergänge in den Äther.

Der Redner im Radio sagt: "Ostern feiern wir das Fest der Freude, den Beginn einer neuen Welt, die Auferstehung
und den Sieg über den Tod." Eine Stimme in mir fragt: Hat er keinen Blick für das Universum um uns?
Seine Worte rufen zur Freude auf und zugleich nehmen sie der Welt ihr Ansehen und ihre Größe.
Ein Ordner
im Gehirn beruhigt:
"He, alles in Ordnung. Es gibt noch kein Aufhören der Weltuntergänge! Es ist die Morgenandacht."

Der rechte Stirnlappen fragt: "Merkt der Redner nicht, wie er der Welt ihre Wunder und Geheimnisse klein macht? Wenn ein Mann
seiner Frau von einer anderen Schöneren erzählt, was geht in der Frau vor, was in ihm? Ihr Zuhause ist ausgeraubt. Die Liebe
ist am Ende. Wir plündern die Erde, als könnten wir zu einer anderen übersiedeln.
Unser Geist, der sich bei unseren steinzeit-
lichen Findern entwickelte, der
Glück, Unglück und die Probleme des Friedens überstand, muss sich heute in den Räumen

der Kultur zurechtfinden: in von uns Menschen gemachten Produktionsstätten, Fabriken, Ställen und Geschäften. Unsere Welt
produziert Nahrung, Schutz, Vergnügen und Erkenntnisse. In unserer Wildnis wachsen Wohltaten: LIcht,
Fernsehen, Internet-
Verbundenheiten, Bücher und Reichtümer, die niemand missen möchte. Als Einzelne und als Gemeinschaften gestalten wir die
Welt. Wir lernen Lesen, Schreiben, Rechnen, Wissen und Geschichten von unseren Vorgängern. In meinem Kopf rumpeln Fragen.

"Was lernen wir über Gedeihen und Schaden? Wohin locken Leben, Liebe, Freude und Schmerz?" Ich freue mich an Frau und
Kind, an Frühstück, Gesundheit und Leben mit wenig Schmerz. Unser Geist und Gehirn hat Flügel. Mit einem Wimpernschlag
reist er z.B. viereinhalb Milliarden Jahre zurück zu dem Einschlag des Asteroiden Teja auf die Erde. Ihre Drehachse wurde
durch ihn schräg gestellt. Jahreszeiten und der Mond entstanden. So leuchtet heute morgen ein schöner Frühlingstag.

Im Schöpfungsmythos der biblischen Tradition sagt die göttliche Schöpferkraft an sechs Tagen: "Gut so" und am siebenten:
"Hinne, tow meot, siehe, sehr gut.", als sollten wir ihre Freude an der Schöpfung sehen und in unserem Gehirn speichern.

Reut es sie, das Universum gemacht zu haben und will es nun zerstören? Der Christus Jesus, lehrte über seine israelitische
Stammesreligion hinaus: "Gott ist Vater über alle und alles. Indem wir leben, sind wir ihm nahe und treffen ihn in allen und allem.
"

Damals und heute verkünden schmerzerfahrene Gläubige und Ungläubige: "Gott ist ferne von der Welt, und die Welt ist ferne von
ihm. Sie ist nicht gut, jedenfalls nicht gut genug." Müssen wir Universum und Menschen verbessern
? Was ist, wenn jeder, der
morgens aufwacht
, Gott begegnet und begrüßt, ob er es weiß oder nicht? Von Mutterleib an kennen Kinder die Grunddinge
wie
Liebe, Freude und Schmerz von Beginn an. Erwachsene brauchen das Gute nur zu prüfen, zu behüten und zu pflegen.

Was ist, wenn das Universum gut ist und immer neu 'Du' und 'Ja' zu uns sagt? Was ist, wenn Leben nicht Leiden, Kampf, Karma
oder Pflicht ist, wie es die Religionen unserer Bauern-, Handwerker und Zähl-Kultur deuten?
Haben die Großen es versäumt, uns
Kindern
zu zeigen, dass wir hier Heimat haben? Sind wir den Kindern unserer Zeit mit unserer Freude und unserem 'Willkommen!'
nahe?
Sagen die Großen aus Wissenschaft, Kunst und Kultur: "Das Universum ist wundersam, geheimnisvoll und gut?"

Unser Geist sucht Wissen, Belohnunngen und Einklang. Welche Bedeutung gibt uns die Welt und wir ihr? Unser Fragen, Prüfen
und Tun antwortet dem 'Ja', das uns im
Leben hält. Nagende Neuronen im Gehirn empören sich: "Wo bleibt die wissenschaftliche
Distanz zur Welt, wo die Kritik
an Verderben, Unglück und Rätseln?" Wissenschaftler erfassen das Universum in Zahlen und be-
schreiben ihre Gesetze in Formeln wie
E=mc². Erkenntnisse erleuchten uns, lassen uns staunen und stellen tausend neue Fragen.

Zellen, Pflanzen und Tiere sagen "Ja, wir sind gerne da." Ist Geist in ihnen, und ihr 'Ja' ist nicht geistlose Chemie?. Rote und
weiße Blutköperchen summen "Wir passen gut auf dich auf. Wir freuen uns über dein Dasein."
Unser Herz pulst: "Ich bin für
dich da.
Lebe gut mit mir." Mein Rasierer brummt: "Gerne rasiere ich dein Gesicht." Im Spiegel begrüßt mich ein unbepelztes,
sprechendes Säugetier der Primaten-Familie: "Guten Morgen, weiser homo sapiens. Mach ihn gut. Verhunz ihn nicht "

Viele Menschen unserer fleißigen Bauern-, Bau- und Rede-Kultur schauen auf die Erde wie auf ein Monstrum voller Mängel.
In unser Nichtwissen und seine Leere hinein schenkt es Leben, Freude, Fülle, Schönheit und den Oster-Frühling. Mein Geist
entschließt sich, das Universum wertzuschätzen und seinem "Ja" zuzustimmen: "Ja, ich nehme dein "Ja" an. Ich stimme zu.
Ich rede dich auch an.
- Du, rätselhafte Kraft, tust gut, und aus ihr mache ich Gutes aus meinem Leben."

Ostseestrand in Pommern           

  Bündnis und Gewissen